Aua!

Nahm letztens einen Zettel in die Hand, auf dem eine Band aus dem lokalen Kreuznacher Umfeld für einen ihrer Gigs warb (Rückseite, siehe oben), und …

Halt!

Vorweg noch folgendes: Bin immer ziemlich froh, wenn ich sehe, dass in meiner Region Live-Musik überhaupt noch stattfindet. Der Hang zu Dosenmucke in Peters Plattendisko, die dann verwegenerdings Ü-irgendwas-Party genannt wird, anstatt “geostationäre Radiosenderzweitvertungsidee”, ist ja immer noch ungebrochen. Ist ja auch billiger, als echte Mucker auf die Bühne zu stellen, die sich ihren Schweiß zusammen mit dem Publikum schwer ergrooven müssen und echte musikalische Erlebnisse erschwitzen. Hab’ nix gegen Plattenpartys. Hab’ was gegen Monokulturen. Das nur vorweg.

Also, zurück zur Werbung. Ich nehme also diesen Zettel in die Hand und lese, und denke:

“Aua! Was’n das? Nochmal lesen: Aua! Heiliger Werbefuzzi, wer hat denn den Jungs diesen Schrieb zusammengeschustert? Das sind ja Sätze wie Hexenschuss-Schmerzen.”

Was soll: ”…nebst spontanen Sprüchen”, denn bitteschön sein? Ich erinnere: ”… nebst Gattin”, sagte mein Großonkel immer. Das war 1. schön altmodisch und 2. richtig. Diese Floskel aber ist 1. lächerlich, und 2. falsch, denn es muss simplerdings “und” heißen. Also, um da mal einen komplett schmerzfreien Satz bauen:

“Mit ihren verblüffenden Eigenarrangements, in denen sie bekannte Songs von Künstlern, wie blablaba präsentieren, und mit ihren spontanen Sprüchen und Einlagen, haben xxxxxxx mit ihrer Frontfrau xxxxx sich seit 1992 eine große Fangemeinde erspielt.”

Eine “große” Fangemeinde! Es gibt keine “zahlreiche” Fangemeinde. Fangemeinde ist Einzahl. Du hast eine, oder du hast keine. Fertig. Solltet ihr Jungs eine große Fangemeinde haben, dann lesen die entweder nicht Eure Werbeflyer, oder …? Mir fällt echt gerade keine Alternative ein, die nicht böse klingt.

Was bitte sind “Rück- und Popsongs”? Ich hab’ echt streng nachdenken müssen und kam trotzdem fast nicht auf das naheliegende: Es soll “Rock- und Popsongs” heißen. Manchmal ist man echt vernagelt.

Das letzte Satzunglück – ohne große Worte in eine schmerzfreie Lage gehievt:

“Wer also bekannte Rock- und Popsongs ganz neu und im Akustik-Gewand erleben mag, der blablabla …”

Will mich eigentlich nicht lustig drüber machen. Rechtschreibefehler macht jeder, und auch mir ist schon manch ein Sätzlein entglitten und gegen die “Wand des sprachlosen Entsetzens” geknallt, aber dieser “Zäddel” … als Werbung?

Liepe Bänd: Ich kann nur hoffen, dass Eure Ansagen nicht aus diesem Holz sind. In diesem Sinne: “zahlreiche Applause noch”. Nix für ungut.

PS: Ich hab’ nix über das ”+” und den “Buble” gesagt. Tu’ ich auch jetzt nicht …

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