Dead End von Gripweed bei pixdaus.com

jo$ signTür #13

Dem Menschen stellt sich immer die Frage nach dem Sinn. Warum ist etwas, so wie es ist? Er nähert sich der Frage dann auf die Weise, die er für richtig hält: In wissenschaftlicher, religiöser und/oder philosophischer Form. Es kommt dann nur darauf an, wie sehr er in die Tiefe geht, wie sehr er hinterfragt, und an welcher Stelle er sich zufrieden oder unzufrieden abwendet.

Man kann die Sinn-Frage dramatisch zuspitzen: Warum ist überhaupt irgendwas? Warum ist nicht viel eher nichts?

Die berühmte Frage Hamlets nach “Sein oder nicht sein” bringt es auf den Punkt, und zwar dann, wenn man “nicht sein” nicht einfach mit dem Tod des Individuums gleichsetzt, sondern es allumfassend sieht: Nicht SEIN! Nicht existieren. Nicht in ein Sein geworfen sein, welches im Leben oder im Tode (dem ewigen Leben) unausweichlich für die Kreatur ist.

Diese Unausweichlichkeit z.B. des christlichen Glaubens macht diese Frage so wichtig, denn der christliche Glaube lässt eine Nichtexistenz nicht zu: Die Seele ist vom Schöpfergott geliehen. Dem Menschen wird “das Leben geschenkt”, aber keiner hat ihn gefragt, ob er beschenkt werden will. Keiner erlaubt ihm das Geschenk abzulehnen. Was für ein Geschenk soll das denn sein? Die Existenz ist von Schmerzen in Werden und vergehen geprägt, von unbeantworteten Sinnfragen, von triebhaftem Streben, von beständigem Scheitern und schließlich von Sterben und der Aussicht auf eine ewige Existenz, deren Für und Wider erstens nicht zur Debatte steht, und zweitens nicht abgelehnt werden darf. Die Angst vor dem Tod ist für die Kreatur dann doch wohl die Angst vor dem Nicht-Tod.

Es ist, wie bei Hiob nachzulesen: Die Existenz ist aufgedrängt. Sie ist Schmerz. Die Geburt ist der Startpunkt jeglichen ungerechten Leidens auf dieser Welt. Der christliche Tod gibt keine Ruhe. Nicht geboren zu werden, würde dem Nicht-Geborenen nichts nehmen, aber ihm dafür aber den Nicht-Schmerz und die Ruhe geben.

Gibt es einen Schöpfergott, der alles dies so vorgesehen hat, warum ist er dann derart amoralisch, dass er nicht einmal eine Begründung dafür mitliefert? Die Bibel beginnt mit: “Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.” Fertig! Das war’s? Einfach so? Warum? War ihm langweilig? Ihm, dem Wesen außerhalb jeglicher Zeit? Keine Ahnung, denn er verrät es den Seinen nicht.

Das Selbstlob des Schöpfers ergeht sich dann in: “Ein jegliches war gut nach seiner Art.” Wie darf ich das verstehen? Etwa: Na ja, ok, hätte schlimmer kommen können?

Wozu hat er geschaffen, der vollkommene Schöpfergott? Nur um zuzusehen, wie Unvollkommenes wieder vergeht? Muss er erschaffen, damit er mit in die unvollkommene Existenz kommt? Damit er gedacht werden kann? Quasi als Daseinsbestätigung? Das ist doch wohl ein allzumenschlicher Grund.

Die Frage steht also im Raum: Warum ist etwas? Ein vollkommener, in sich ruhender Gott ist kein verständlicher Grund für eine Schöpfung.

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