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Tür #12
Sind das Bewusstsein und die Ich-Erkenntnis das Produkt toter, unbewusster Materie? Anders gefragt: Hat sich Materie zu einem System organisiert und evolutioniert, welches Information speichern und verarbeiten kann – einfach so? Was ist Materie überhaupt?
Seit Einstein hat sich der Materiebegriff vollständig gewandelt. Die atomare Ebene ist nicht mehr länger die Grundsubstanz der Welt: Materie kann sich in Energie, in Bewegung wandeln.
Diese Materie ist aber erst seit dem Urknall im Sein. Von da an wandelte sie sich von Elementarteilchen über Atome und Molekülen, zu DNS-Moleküle mit der Fähigkeit sich selber zu vervielfältigen, danach weiter zu Zellen und Zellverbänden, die sich spezialisierten. Es entstanden Haufen von Nervenzellen, die sich schließlich weiter spezialisierten und ein Gehirn bildeten – die bisher komplexeste Struktur, die wir kennen. Zu einem Zeitpunkt entstand dann, offensichtlich nach zahllosen Vorformen, Bewusstsein – Geist.
Die Fragen an dieser Stelle lauten: Warum? Reicht die Annahme evolutionärer Gesetzmäßigkeiten hier schon aus? Was genau ist passiert, als Bewusstsein entstand?
Bewusstsein ist wissenschaftlich nur empirisch erfassbar, sprich, man kann es beobachten. Man kann es jedoch nicht wiegen, vermessen, extrahieren. Das Bewusstsein, selbst unseres nächsten Mitmenschen, ist uns nur als beobachtbare Tatsache und gesicherte Annahme kenntlich.
Empfindungen verlangen Bewusstsein. Gefühle wie Schmerz und Freude können heute biochemisch erklärt werden. Was aber ist mit z.B. Kreativität und schöpferischem Handeln?
Kann also Materie etwas anderes schaffen, was entweder eine andere Qualität oder eine andere Stufe der Vollkommenheit hat. Kann etwas Unvollkommenes etwas Vollkommeneres schaffen? Schon Descartes fragte das im ontologischen Gottesbeweis: Wenn das Vollkommene nicht in Wirklichkeit existieren kann, sondern nur im Verstand, dann kann der Verstand als etwas Unvollkommenes über etwas nachdenken, was vollkommener ist als er selber. Kann nun etwas Vollkommeneres gedacht werden, dann ist es durch etwas Unvollkommeneres in die Wirklichkeit befördert worden.
Kurioserweise lautet das Gegenargument in Bezug auf den Beweis Gottes: Wenn etwas so vollkommen ist, wie Gott, dann kann es mit dem Verstand nicht erfasst werden, und also auch nicht vollständig gedacht werden und folgerichtig auch nicht in der Wirklichkeit sein. Was auch immer diese Wirklichkeit sein mag. Starker Tobak, würde ich sagen.
Da steht der Mensch und ist nun also so klug, als wie zuvor: Kann Materie etwas qualitativ Neues wie Bewusstsein schaffen? Wie? Besitzt sie vielleicht schon in ihren primitivsten Stufen “Bewusstseinsmerkmale”?
Kann Materie nichts Neues schaffen, dann entsteht nur, was vorher schon da war. Dann lautet die Frage: Woher? Von einer Art Schöpfergeist, einer wahrhaft multiplen Persönlichkeit, die Geist portionsweise verteilt für die Dauer unserer materialistischen Existenz? Das würde bedeuten, dass das Bewusstsein mit der Materiewandlung stirbt oder sich neuformt, der Geist jedoch erhalten bleibt.
Die Welt wäre also schon fertig gedacht und gelebt, und nur noch nicht vollständig von uns erfahren.
Ist dies so, warum stelle ich dann diese Fragen? Warum, woraus und wozu strebt der Mensch?

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Das sind sehr viele Fragen, die du in Tür#12 gestellt hast und statt mit einem argumentativen Fred zu antworten, werde ich einfach die Fragen einzeln aus meiner Sichtweise versuchen zu beantworten – auf die verschiedenen weiteren Antwortmöglichkeiten bin ich schon gespannt.
Sind das Bewusstsein und die Ich-Erkenntnis das Produkt toter, unbewusster Materie? -> JA
Hat sich Materie zu einem System organisiert und evolutioniert, welches Information speichern und verarbeiten kann – einfach so? -> JA
Was ist Materie überhaupt? -> Ein Teilspektrum des Universums, das vom Menschen so definiert ist, weil er es anfassen kann.
Materie kann sich in Energie, in Bewegung wandeln.-> Vollkommen korrekt – Änderung einer Begriffsbezeichnung, wie bei Wasser, welches auch als Eis oder Gas vorkommen kann – Ob Materie, Energie, schwarze Materie, es ist alles Teil des Universums, in welcher Form auch immer (und kennen wir bereits alle?)
Diese Materie ist aber erst seit dem Urknall im Sein.-> da unsere Zeitrechnung erst mit dem Sein beginnt, ist aber nicht auszuschliessen, daß im “Vorsein” die Grundlage für die im Sein existierende Materie (und die anderen Teile des Universums ) gelegt wurde.
Die Fragen an dieser Stelle lauten: Warum? -> Diese Frage beantwortet sich meiner Ansicht nach von selbst – im Universum werden im Laufe des Spiels ALLE Möglichkeiten durchgespielt – das ist die Spielregel!
Was genau ist passiert, als Bewusstsein entstand? -> Nichts anderes, als das Befolgen der Spielregel
Empfindungen verlangen Bewusstsein.-> Hinter duiesem Satz mache ich ein Fragezeichen und führe z.B. an, wie Elefanten um ihre Artgenossen trauern – benötigen sie für diese Empfindungen Bewusstsein?
Was aber ist mit z.B. Kreativität und schöpferischem Handeln? -> Spielregel des Universums, welche sich im Individuum fortsetzt!
Kann also Materie etwas anderes schaffen, was entweder eine andere Qualität oder eine andere Stufe der Vollkommenheit hat.-> JA, denn wir definieren die Qualität aus unserem sein unserer Erfahrung und die Stufen der Vollkommenheit sind daher völlig willkürlich festgelegt.
Kann etwas Unvollkommenes etwas Vollkommeneres schaffen? -> Schon die Definition: Vollkommen/Unvollkommen ist aus der Sicht des Universums völlig irrelevant und beliebig von uns festgelegt.
Kurioserweise lautet das Gegenargument in Bezug auf den Beweis Gottes: Wenn etwas so vollkommen ist, wie Gott, dann kann es mit dem Verstand nicht erfasst werden, und also auch nicht vollständig gedacht werden und folgerichtig auch nicht in der Wirklichkeit sein. Was auch immer diese Wirklichkeit sein mag. Starker Tobak, würde ich sagen.
Kann Materie etwas qualitativ Neues wie Bewusstsein schaffen? -> Warum nicht?
Wie? -> Einfach so, durch Ausprobieren entsprechend der Spielregel.
Besitzt sie vielleicht schon in ihren primitivsten Stufen “Bewusstseinsmerkmale”? -> Auch hier: Warum nicht?
Kann Materie nichts Neues schaffen, dann entsteht nur, was vorher schon da war. -> Nicht nur Materie kann Neues erschaffen, sondern wie bereits angeführt ist Materie ja nur ein Teil des Universums – unter Einbeziehung anderer, auch uns unbekannter Teile, kann durchaus Neues entsetehn.
Von einer Art Schöpfergeist…. -> Eigentlich reicht doch die Spielregel!
Die Welt wäre also schon fertig gedacht und gelebt, und nur noch nicht vollständig von uns erfahren. -> Das wäre nicht im Sinne der Spielregel!
Ist dies so, warum stelle ich dann diese Fragen? -> Wegen der Spielregel!
Warum, woraus und wozu strebt der Mensch? -> Er führt instiktiv (teilweise auch bewusst) die Spielregel aus!
Jetzt bin ich wirklich mal gespannt auf andere ANtworten zu den von dir gestellten Fragen!
12.12.2008 @ 12:56
“Ist dies so, warum stelle ich dann diese Fragen? Warum, woraus und wozu strebt der Mensch?”
Meine Antwort dazu ist im Daten Nirwana nachzulesen.
12.12.2008 @ 23:10
Entweder deine Antwort war dir nicht so wichtig – oder du schreibst noch einmal! Lass dich nicht so hängen!
13.12.2008 @ 11:19
“Nirwana” ist ein gutes Stichwort. Das führt uns zu Tür #13.
@Kreuznacher:
“Materie kann sich in Energie, in Bewegung wandeln.-> Vollkommen korrekt – Änderung einer Begriffsbezeichnung, wie bei Wasser, welches auch als Eis oder Gas vorkommen kann – Ob Materie, Energie, schwarze Materie, es ist alles Teil des Universums, in welcher Form auch immer (und kennen wir bereits alle?)”
Das ist so nicht ganz richtig, denn Wasser und Eis sind nur verschiedenen Aggregatzustände eines “Stoffes”. Ebenso ist es mit gasförmigen Stoffen. Materie allerdings, egal in welcher Erscheinungsform, ist(!) Energie, immer, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Das ist die Erkenntnis aus der Quantentheorie. Das war bis zum Beginn des letzten Jahrhunderts so nicht denkbar.
“Vorsein” ist ein gutes Stichwort, ebenso wie “Nirwana”. Ich glaube, das wird Tür #13.
“Kann etwas Unvollkommenes etwas Vollkommeneres schaffen? -> Schon die Definition: Vollkommen/Unvollkommen ist aus der Sicht des Universums völlig irrelevant und beliebig von uns festgelegt.”
Da muss ich widersprechen: Diese Begriffe muss man in diesem Zusammenhang verwenden, weil wir hier über ein Gebiet reden, was durch die Religion mit dem Begriff “Gott” oder “Schöpfer” besetzt ist, und Gott z.B. durch den angesprochenen Gottesbeweis von Anselm von Canterbury mit den Begriff “worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann” beschrieben wurde. Insofern muss man, will man sich mit Religion und Existenzphilosophie auseinandersetzen, mit diesen Begriffen arbeiten, denn das Universum ist aus Sicht der Theologen selber(!) nur eine Schöpfung.
“Die Fragen an dieser Stelle lauten: Warum? -> Diese Frage beantwortet sich meiner Ansicht nach von selbst – im Universum werden im Laufe des Spiels ALLE Möglichkeiten durchgespielt – das ist die Spielregel!”
Das ist knifflig und voller Stolperfallen: Da muss man dann auch sagen siehe oben, denn alleine die Existenz eines unendlichen Universums reicht nicht aus, wenn man annehmen kann oder darf, dass es einen schöpferischen Geist gibt. Die Philosophen-Frage Nr. 1 an dieser Stelle ist und bleibt dann: Warum? Warum sollten alle Möglichkeiten durchgespielt werden? Ist es eine einfache Gesetzmäßigkeit? Dann auch hier wieder die wissenschaftliche Frage nach dem Warum. Ganz abgesehen davon, dass das Wort “alle” eine Endlichkeit bedingt, mit der das Universum schlicht nicht dienen kann.
Alles weitere sollte uns dann zu Tür #13 führen.
13.12.2008 @ 15:13
Vor der dreizehnten Tür muss ich hier doch noch was loswerden
Den aus deiner Sicht berechtigten Widerspruch, welchen du auch korrrekt begründest mit Anselm von Canterbury, kann ich so nicht gelten lassen. Auch andere Religionen haben sich, ohne sich dabei die westliche Existenzphilosophie zu eigen zu machen, mit dem Problem des Seins und dem Universum sowie der Schöpfung beschäftigt.
Ich bin daher immer noch der Meinung, daß die Begriffe Vollkommen/Unvollkommen von uns beliebig festgelegt und aus der Sicht des Universums völlig irrelevant sind.
13.12.2008 @ 18:27
Du wirst keine Religion und keine philosophische Betrachtung von Bedeutung finden, die nicht in irgendeiner Form “Vollkommenheit” formuliert oder gar definiert hat:
Christentum und Islam dürften in dieser Hinsicht klar sein. Beide Schöpfer sind allmächtig und vollkommen.
Der Hinduismus definiert den Sieg über das Ego als Vollkommenheit und der Gott Krishna ist nicht nur vollkommen, sondern sogar all anziehend.
Im Buddhismus ist Buddha an sich die pure Reinheit und Vollkommenheit und eins mit dem Universum.
Sogar der Shintoismus, der nicht mal eine Religion im engeren Sinne ist, hat die Vollkommenheit in Ziel und Weg definiert.
Die Wissenschaft sucht nach der GUT (Grand Unified Theory), also der vollkommenen Weltformel, die das Universum erklärt.
So ist also bei allen die Vollkommenheit, das “worüber hinaus nichts gedacht werden kann” oder aber angestrebt werden kann. Also, wen das nicht absolut und eindeutig ist, dann weiß ich nicht. Beliebig ist es jedenfalls nicht.
Die Frage ist ja, wer oder was ist die Sicht des Universums. Hat das Universum einen Schöpfer, ist dieser vollkommen, denn er ist unendlich. Hat es keinen, ist es vollkommen, denn über das Unendliche hinaus ist nichts vorstellbar. Alles was darunter existiert muss also unvollkommen sein.
Die Frage wäre also: Wie beschreibst Du den zeitlosen Schöpfer des unendlichen Universums und des Sein, unabhängig davon, ob Du daran glaubst? Und ich meine natürlich nicht die willkürliche Belegung mit andern Adjektiven, sondern den adäquaten sinngleichen Ersatz von “vollkommen”.
13.12.2008 @ 20:18