Posts tagged Adventslalender

Tür #22


Etiopia by Witold
von pirizoe bei pixdaus.com

jo$ signTür #22

Eine praktische Ethik für die ganze Welt – ist so etwas möglich?

In unserer Zeit haben wir direkt hier bei uns in Deutschland eine friedliche Revolution erlebt. Es wurde Gewaltfreiheit praktiziert, Demokratie gelebt und Frieden und Freiheit nicht als bloße Phrasen deklamiert.

Bürgerrechtler taten, was schon Martin Luther King und Ghandi taten. Menschen unterschiedlicher Glaubensherkunft gingen auf dem Weg, den Menschen wie MLK und Ghandi vorbereitet hatten und erreichten ein Ziel. Das zeigt doch, dass es Entwicklung gibt.

Es gibt praktizierte Ethik, die Wahrheiten schafft.

Müsste es dann nicht auch möglich sein eine solche praktikable Ethik auf Ökologie, Ernährung der Welt und die Weltreligionen auszuweiten.

Nach Ansicht der UNO kann die Erde ungefähr 12 Millionen Menschen ernähren. Es verhungern aber von heute etwas mehr als 6 Milliarden Menschen, mindestens 25000 – täglich.

Es gibt keine wahrhaftige globale Zusammenarbeit und noch keine globale Ethik, auch wenn die Menschenrechte und die Würde des Einzelnen niedergeschrieben stehen.

Wir praktizieren heute immer noch keine vernünftige Politik, die sich global mit Fragen des Daseins beschäftigt. Sie beschäftigt sich noch viel zu sehr nur mit Glaubensgräben und Fragen des lokalen Machterhalts.

Die Weltreligionen führen immer noch keinen wahrhaften Dialog miteinander, weil Glaubensinhalte immer noch absolut gestellt werden.

Die globale Wirtschaft wird durch vorgenannte Gründe nicht hinreichend gelenkt, damit sie langfristig ökologisch und sozial erwünschte Ergebnisse im Sinne der gesamten Menschheit produziert.

Die friedliche Revolution von 1989 sollte uns lehren, dass sich der Einzelne auf den Weg machen muss, eine praktikable Ethik zu suchen und zu leben.

Ist hier die Rede von einer Utopie? Ja.

Es ist die Rede von einer Ethik der Welt, einem kleinsten gemeinsamen religiösen, philosophischen und politischen Nenner, von einer erzieherisch vermittelten, täglich gelebten, weltweit praktizierten Ethik. Egal, von woher man kommt.

Eine Ethik für die Welt – kann es so etwas irgendwann geben?

Tür #21


Loving Fingers~~Photographer:~~Antoine Jousse von lilly bei pixdaus.com

jo$ signTür #21

Besteht zwischen Glaube und Vernunft ein Widerspruch? Ist ein Dialog darum gar nicht möglich, weil es nur ein “entweder oder” gibt?

Könnte es möglich sein, dass die Philosophie hier vermittelnd eingreifen kann, und den scheinbaren Widerspruch auflösen kann, wenn sie nicht als Wissenschaft, sondern als Haltung, als “Kultur der Frage” genutzt wird?

Beschreitet der Mensch seinen Glauben auf einem philosophischen Pfad, dann stellt er Fragen und stellt Dinge in Frage. Das ändert nun aber die Haltung gegenüber den Absolutismen und Dogmen seiner Glaubensgemeinschaft oder seines persönlichen eigenen Glaubens: auch sie werden in Frage gestellt und verlieren dadurch ihr absolutes Wesen. Trotzdem entnimmt er weiterhin seinem Glauben praktische ethische Erkenntnisse für das tägliche Leben und handelt ihnen entsprechend.

Diese Erkenntnisse orientieren sich nun aber, da er nicht mehr an Absolutismen gebunden ist, leicht an der Einsicht so zu handeln, dass seine Handlungen allgemein verträglich für die gemeinsame Existenz aller Menschen auf dieser Erde sind. Im Zeitalter des globalen Miteinander unabdingbar für eine gemeinsame prosperierende, sinnerfüllte Existenz der menschlichen Art. Eine vernünftige allgemein akzeptierte Erkenntnis, ein kleinster gemeinsamer Nenner im oben angeführten Sinne.

Nicht der dogmatische Inhalt seines Glaubens ist dann der Mittelpunkt seiner, des Menschen, Existenz, sondern sein Handeln aus der allgemeinen vernünftigen und mit seinem Glauben zu vereinbarenden Erkenntnis.

Es wäre dann zum Beispiel nicht die entscheidende Frage, ob Gott existiert oder nicht, sondern ob man in einem Gedanken an ihn Trost und Schutz finden will, wenn man will. Wahrheit ist dann keine unveränderliche Doktrin, sondern ein Wert durch gelebte allgemein wirkende Inhalte.

So ist, anders gesprochen, nicht ummauerte Erkenntnis, sondern die Freiheit der Einsicht und die Sicherheit praktisch anwendbarer ethischer Erkenntnis die Vernunft im Glauben und die Voraussetzung von Dialog, auch, und das ist wohl am wichtigsten: Dialog zwischen Religionen.

Ohne den Dialog derer, die bisher Dogmen formulierten, wird es keinen globalen Frieden geben.

Tür #20


Big Mac – Advertisement vs. Reality von ocicat bei pixdaus.com

jo$ signTür #20

Je komplexer und komplizierter ein System ist, desto mehr bedarf es der kritischen Analyse, der Koordination und der Integration aller, die sich in diesem System befinden.

Der Einzelne fühlt sich solchen Herausforderungen gegenüber oft hilflos, orientierungslos und schwach. Er sucht in der Folge nach Wahrheiten, Lösungen und festen Standpunkten.

Mystizismus und Religionen boten den Menschen seit Jahrtausenden Orientierung und feste Standpunkte. Allerdings in einer Welt, die immer lokal begrenzt war. Weder Wirtschaft, noch Politik erlegten Fragen von globalem Maßstab auf. Das Wohlergehen des Einzelnen konnten Stammesfürst und Medizinmann (oder Schamane), konnten König und Bischof nach ihrem Gutdünken und ihrer jeweilige Interpretation von Gottes Willen regeln.

Da der Mensch als Art aber strebt, forscht, expandiert und erschafft, wurde dieses Korsett im Laufe der Geschichte zu eng. Die Wissenschaft schuf per Erkenntnis, die von Staaten und Wirtschaft in Realität umgesetzt wurde, eine neue Welt (siehe Tür #15 – 19), die die Menschen rund um den Globus enger zusammenführte und damit auch ihre unterschiedlichen Kulturen, Ansichten und Lebensweisen.

Doch nicht nur das Korsett und die ausgetretenen Pfade der Religionen wurde vielen Menschen zu eng, sondern auch Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Politik verursachen heftige gedankliche Turbulenzen:

Die Wissenschaft, die in weiten Teilen abhängig am Tropf der Wirtschaft hängt, wird auch nur Ergebnisse produzieren, die ihren Geldgebern genehm oder nützlich sind. Sie ist aber auf keinen Fall frei und kreativ oder in der Lage, das wahrhaft “Undenkbare” zu denken.

Die Politik hadert beständig mit objektiven Wahrheiten. Ihr Wesen ist die Macht und deren Erhalt. Sie muss populär sein, um verstanden zu werden, in einer Zeit, in der Menschen das Prinzip “Ich habe keine Zeit.” leben. Sie muss Mehrheiten suchen, wo das Populäre schnell Mehrheiten bildet. Sie soll langfristig denken und wirken, was sie aber dann häufig nicht mehr kann, weil sie damit eben damit beschäftigt ist kurzfristig populäre Mehrheiten zu suchen.

Die Wahrheit der Wirtschaft heisst Gewinn und heute spezieller “Gewinnmaximierung”. Auch das ist ein Frage von Macht, von Marktmacht. Sie wird genutzt um Bedarf gegen Geld zu decken. Paradoxerweise oft Bedarf, der vorher erst geweckt wurde. Wir haben einen Handel kultiviert, der mittlerweile teilweise abgelöst von realen Produkten und realer Arbeit nur noch Handel um des Handels Willen ist.

Das Geschäft der Medien ist die Information. Doch die Information muss nicht unbedingt Wahrheit sein, sie muss sich nur verkaufen lassen. Verkaufen lässt sich aber nur Information, die unterhält. Für die Wahrheit schafft das die hohe Hürde, dass sie auch in irgendeiner Form unterhaltsam sein muss, denn sonst hat sie in diesem System keine Chance.

Über all diesen Feldern schwebt, und all diese Bereiche durchdringt heute die faktisch existierende Weltordnung des Kapitalismus, die allem obendrein den Stempel der Käuflichkeit aufdrückt und die alle diese Elemente miteinander verwebt.

Alles in allem also ein wirklich ziemlich kompliziertes System, bei dem sich der Gedanke aufdrängt, dass das Wahre, das Nachhaltige (leider ein mittlerweile abgedroschenes Wort), das Wertige nur schwerlich noch zu entdecken ist.

Zurück zum Anfang: Der einzelne Mensch fühlt sich ohnmächtig im Angesicht dieser Mechanismen und der unglaublich tiefgreifenden Vernetztheit der heutigen Herausforderungen. Was kann der Weg aus der Falle der selbst erschaffenen Scheinwahrheiten und unbefriedigenden Realitäten sein?

Könnte es sein, dass es über Dialog und Vernunft möglich ist?

Könnte es die …

  • Vernunft sein, den Dialog unter Menschen zu suchen, die nach unterschiedlichen Lebensentwürfen in philosophischer und religiöser Hinsicht leben? Könnte es dann der Dialog zwischen den Weltreligionen werden, der auf den gemeinsamen Nennern aufbaut und bereit ist Dogmen aufzulösen?
  • Vernunft sein, die eigenen Meinungen, Ansichten und Urteile im Dialog auf den Prüfstand zu stellen? Könnte man einfach mal davon auszugehen, dass die eigene Sicht der Dinge nur eine unvollständige ist?
  • Vernunft sein, das Unerwartete als Möglichkeit in Betracht zu ziehen? Oder aber dort Bewegung zu erwarten, wo scheinbar keine Bewegung möglich ist? Kann es möglich sein, das Utopische trotzdem als Ziel zu formulieren und anzugehen?
  • Vernunft sein, das eigene Sein über das Haben zu stellen? Oder aber anders gesagt, die eigenen materiellen und immateriellen Werte neu zu ordnen?

Könnte es im Prinzip so simpel (nicht einfach!) sein, das unglaublich komplizierte Geflecht unserer globalisierten Existenz neu zu gestalten?

Tür #19


In 1982, Gibson coined the term ‘cyberspace’ and popularized the concept in his debut novel, Neuromancer (1984). Gibson is best known for depicting a visualised, worldwide communications network before it became ubiquitous in the 1990s, and he is credited von BellCurve bei pixdaus.com

jo$ signTür #19

“Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.” (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte)

Scheinbar ist dieses Postulat der Menschenrechte Segen und Fluch zugleich:

Das weltumspannende, globale Medium “Internet” ist das Werkzeug womit die Menschen “ohne Rücksicht auf Grenzen” am Weltwissen partizipieren können. Es ist das(!) Mittel um Meinung frei äußern zu können und “Gedankengut” frei empfangen und senden zu können. Doch genau dieses Medium zeigt die Spaltung der Menschheit tiefgreifender als jedes andere, in dem es eben nicht allen Menschen zugänglich ist, und nicht allen Menschen freie Meinungsäußerung bietet.

Warum ist es wichtig die Meinung des Einzelnen mit solchen Qualitäten auszustatten? Warum ist der oben beschriebene Mangel so fatal?

Die Utopie der Gedanken- und Meinungsfreiheit ist die Voraussetzung für die Arbeit an globalen Moralvorstellungen, globaler Ethik, einer globalen Vernunft, sprich, einem globalen ‘kleinsten gemeinsamen Nenner’.

Die Realitäten, für den Teil der Menschheit, der freien Zugang und freie Nutzmöglichkeit der weltweiten Vernetzheit hat, sind allerdings, wenn auch aus anderen Gründen, ähnlich fatal:

Das Bedürfnis nach Information, welches dem Menschen erst durch das Zusammenwachsen der Menschheit im digitalen Raum in diesem Maße und in dieser Notwendigkeit, in Anbetracht der globalen Herausforderungen erwachsen ist, ist ja seinem Wesen nach unendlich. Der Mensch, im speziellen der global-virtuelle Mensch, ist nie genug informiert, ganz einfach deshalb, weil die Dinge und Situationen die wir erfahren können bis zum Zeitpunkt unseres biologischen Todes, sich fortwährend wandeln, also unendlich sind.

Die vernetzte und mobile Welt in der wir leben, ist auch eine kapitalistische Welt. Sie macht uns zu permanenten Konsumenten. Sie verführt, sie lenkt ab, sie überflutet uns mit Reizen. Der Mensch im Internet äußert und bildet seine Meinung deshalb in der Mehrzahl auch nur mangelhaft – gerade wegen seines einfachen Zugangs.

Es geht aber noch weiter: Lebensqualität wird in zunehmenden Maße auch in Erreichbarkeit – unabhängig vom realen Sein in der Welt – definiert. Mobilität und Erreichbarkeit, in der virtuellen, wie in der realen Welt verschmelzen und werden erst zum erstrebenswerten Gut, dann zum teuflischen Hamsterrad.

Privat- und Intimsphäre, der zeitliche und qualitative Umgang mit dem vom Verstand geschaffenen Werkzeug, müssen völlig neu definiert und überdacht werden.

Das zeigt: Technische Errungenschaften sind nicht wertneutral!

Jede Technik, jede Modifikation technischer Möglichkeiten, die uns zur Verfügung gestellt wird, verändert unser Sein als mediale Persönlichkeit, weil wir neue Möglichkeiten, und somit auch neue moralische und ethische Bewertungen entwickeln müssen. Fortwährend.

Sollen die Menschen der westlichen Industrienationen nicht zu einer leicht zu manipulierenden Herde Lemminge werden, und soll das Weltnetz mit seinem vielköpfigen Maschinenwesen und künstlicher Intelligenz nicht zum kapitalistischen Leviathan werden, der eine neue Art von Totalitarismus entwickelt, die in Anbetracht der in den vorigen Türen beschriebenen globalen Gegebenheiten fatale, globale Konsequenzen nach sich zieht, dann muss die Fähigkeit zu oben genannten Bewertungen ein Hauptziel von Bildung sein. Der in dieser Hinsicht mündige Bürger erkennt dann darin eine lebenslange Herausforderung und Verpflichtung.

Tür #18


Due to the lack of computers and electricity African Internet differs a little bit…
von noname bei pixdaus.com

jo$ signTür #18

Technische und wissenschaftliche Entwicklungen haben den Menschen in die Lage versetzt, sowohl das Individuum, als auch die einzelnen Kulturen und Gesellschaften durch ein weltweites Netz zu verbinden. Es besteht die Möglichkeit den Planeten in Sekunden zu umrunden, um Kontakt zu einem Menschen auf der anderen Seite des Planeten aufzunehmen.

Der Mensch sieht sich heute globalen – auch direkt lebensbedrohenden – Herausforderungen gegenüber gestellt und hat gleichzeitig aber auch die Möglichkeit des Zugriffs auf unglaubliche Wissensressourcen. Er erhält Informationen über aktuelles Geschehen im Moment per Mausklick. Er verfügt über die Möglichkeit die traditionelle 4. Gewalt (Presse) bei Bedarf zu umgehen. Er kann sich aktiver als je zuvor an Meinungsbildung beteiligen.

Das globale Dorf ist Wirklichkeit, aber es ist bestimmt schon lange kein Dorf mehr, sondern eine Megacity.

Allerdings nicht für jeden: Ein großer Teil der Menschen Afrikas, Südamerikas, Indiens, Chinas und Indonesiens wohnt überhaupt noch nicht in dieser globalen Stadt, oder hat schlicht nur Zugang zu einem kleinen Teil des Stadtrands. Manche Regierungen versuchen gar ihren Bürgern in dieser Stadt ein eigenes ‘Potemkinsches Dorf’ zu zeigen.

Kritiker behaupten, dass die Möglichkeit des globalen Miteinander nur die kulturellen und sozialen Unterschiede und Ungerechtigkeiten verschärft und verfestigt. Kritiker sagen, das der Zugang zu frei verfügbarer Information aber bisher auch nur zu steigender Desinformation geführt hat. Kritiker beobachten, dass Politik und Gesellschaft in den Industrieländern den Anforderungen der weltweiten Vernetztheit und Informationsschwemme nicht gewachsen sind.

Nationale Politik entbehrt die Einsichten und Mittel ihren Bürgern Schutz und Prosperität im weltweiten Netz zu bieten, weil es sich immer mehr und immer schneller ins reale Leben der Menschen drängt, andererseits aber lokal nur schwer zu fassen ist. Die Wirtschaft gibt, amoralisch wie eh und je, den unglaublichen, ihrer Natur entsprechend kurzfristigen, Möglichkeiten der Gewinnmaximierung nach, und agiert längst weitgehend ungelenkt im globalen Maßstab.

Es scheint, als ob der noch “analoge” Mensch im Zeitalter der digitalen Kommunikation massive Probleme bei der Anpassung an das “höher, schneller, weiter”-Prinzip der digitalen Gesellschaft zeigt. Es zeigt sich eine babylonische Sprachverwirrung nicht nur sprachlicher, sondern auch inhaltlicher Natur: Spricht der eine vom globalen Dorf und meint den Zugang zu Bildung, Meinung und globaler Perspektive, sieht der andere den Totalitarismus des außer Rand und Band geratenen Turbokapitalismus am Horizont lauern.

Drängender als jemals zuvor in der Geschichte des Homo Sapiens erscheint die Notwendigkeit der fortwährenden Bildung, der erneuten Aufklärung und der Wahrnehmung bürgerlicher Pflichten bis ins hohe Alter, damit es letztlich dem Wohle aller dient, und die Kluft zwischen Verstand und Vernunft nicht noch größer wird.

Auch hier hat der Mensch plötzlich konkret die Verantwortung für das Sein der kompletten Art übernommen. Das Internet verpflichtet ebenso, wie die Bombe.

Tür #17


Art on Lake Zürich by Entry von poppy bei pixdaus.com

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Die Bombe brachte die Möglichkeit und das Absolutum des totalen menschlichen Suizids in die Welt. Schon vorher jedoch war mit Auschwitz und dem Holocaust die Menschheit als Ganzes mit einer Art moralischen Suizids, mit absoluter Verzweiflung konfrontiert worden.

Die Frage Hamlets war jetzt tatsächlich in neuer Dimension neu gestellt worden: Warum sollte eine bestimmte Art von Menschen sein und nicht besser nicht? Warum sollte die Menschheit überhaupt sein und nicht besser nicht?. Die Philosophie musste in der Folge nochmals vehement die Sinn-Frage aufgreifen und der Menschheit stellen: Ist nicht viel besser nichts, als unbeschreibliches Leid und unbeschreibliche Schuld?

Beide Ereignisse verlangen heute völlig neue Sichtweisen: Der Mensch ist seither globalen Lebens- und Überlebensfragen ausgesetzt – in wissenschaftlicher, philosophischer, religiöser, einfach in jeglicher Hinsicht.

Bis heute kamen die Genforschung, der mögliche Einfluss der menschlichen Existenz auf das Klima und schiere Anzahl der Menschen auf diesem Planeten als Fragen gleicher Art hinzu. Alle diese Felder produzieren existenzielle Fragen und Probleme, die alle Menschen betreffen, gleich welcher Religion, Lebensanschauung, Bildung und Not.

Genügt ein “kleinster gemeinsamer Nenner” im Angesicht der Herausforderungen.

Tür #16


Explosion Low-res von ProudCanadian bei pixdaus.com

jo$ signTür #16

Die Atombombe hat alles verändert.

Als die Atombombe gedacht, in die Existenz gehoben und versucht war, änderte sich für den Menschen in der Folge schlagartig alles:

Die Vernichtung der Menschheit als Art ist möglich. Die vollständige Entfernung allen Lebens von diesem Planeten ist denkbare Realität. Das Nichts, das Heraustreten aus Raum und Zeit ist greifbar geworden.

Während früher Kriege geführt wurden, in dem die Wucht einer starken Angriffswaffe durch eine adäquate Abwehrwaffe pariert wurde, indem sich der Angegriffene also verteidigte, ist jetzt keine Verteidigung mehr möglich, nur noch Vergeltung.

“Auge um Auge, Zahn um Zahn” ist ein zu schwacher Begriff für die Macht, die der Mensch nun in Händen hält: “Existenz um Existenz, Sein um Sein.” lautet die Herausforderung nun.

Der Mensch ist im Schaffen und in der Vergeltung einem allmächtigen Schöpfergott – der Vollkommenheit – einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Er hat etwas geschaffen, was einer göttlichen Maßnahme gleichkommt. Der Mensch kann die atomare Sintflut entfesseln.

Der menschliche Verstand hat etwas geschaffen, womit die menschliche Vernunft vor ihre größte Herausforderung gestellt wird. Ist die Doktrin der Abschreckung wirklich wirksam, oder hatten wir bisher nur Glück? Wie stellt sich die Situation heute im Angesicht der Möglichkeit dar, dass auch kleine Gruppierungen in den Besitz atomarer Waffen kommen können? Sind vernünftige Verhandlungen mit Glaubenskriegern möglich?

Wie steht Gott zur Atombombe?

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Tür #15


clock time evolution von Angelica bei pixdaus.com

jo$ signTür #15

Dem Kreationismus muss man in fast sämtlichen Punkten widersprechen: Der Mensch wurde nicht von einem Schöpfergott fertig erschaffen und in die ebenfalls fertig geschaffene Welt gestellt.

Von den ersten Zellen, die in der Lage waren sich an Sauerstoff anzupassen, bis zu dem hochkomplizierten “Zellhaufen” Mensch, mit seinen unzähligen spezialisierten Zellen war es ein nachweisbarer Weg der Anpassung und der erfolgsorientiert-kreativen, chemisch-biologischen Prozesse.

Die verschiedensten Lebewesen auf diesem Planeten demonstrieren heute noch die Anpassung an neue Lebensumstände innerhalb weniger Jahrzehnte. Wir leiden an einem unglaublichen Egozentrismus, und blicken durch eine antropzentrische Brille, wenn wir annehmen, dass flexibles Verhalten und einfallsreiche Anpassung nur per Gehirn möglich wären. Es gibt Leistungen unter den Lebewesen dieses Planeten, deren Entwicklung als Art man sinnvolles verstandesbegabtes Handeln – auch ohne Hirn im menschlichen Sinne – unterstellen muss.

Ebenso muss man konstatieren, dass wir Menschen, so wie wir uns heute darstellen, nicht der Gipfel einer Schöpfung sein können. Wir sind eine Momentaufnahme auf der Zeitachse dieses Planeten. Das Menschsein, unter dem Gesichtspunkt des Augenblicks, ist nicht der Zweck des Universums.

Der Mensch sollte ethisch Zweck an und für sich sein. Ja. Er ist es nicht im großen Orchester des Lebens.