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Twitter machte sich heute Morgen im Newsreader breit, und das zu verschiedenen Themen. Helle Aufregung flutete zunächst wie eine Schockwelle durch’s Twitterversum, denn augenscheinlich wurde Twitter kurzfristig zum Guerilla-Kriegsschauplatz:

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Eine Gruppe, die sich “Iranian Cyber Army” nennt, hat also augenscheinlich in/an Twitter rumgehackt. Wollte man sich also über die Twitterseite einloggen, dann gab’s nicht die gewohnte Seite zu sehen, sondern eine grüne, mit Farsi betextete Fahne. Ausserdem war noch eine Mail-Adresse dabei. Man ist ja kommunikativ.

Ob’s die Gruppe gibt, und ob die tatsächlich aus dem Iran stammt, weiss keiner so genau. Die Identität ist also nicht geklärt. Das ist ein Fakt, der uns nachher noch beschäftigen wird. Sehr passend dazu erschien aber dann dieser Artikel bei Dr. Web:

Kurz-URL-Dienst bit.ly: Libysche URLs und moralische Bedenken | Links, Services, Twitter, URLs | Dr. Web Magazin.

Neben den moralischen Bedenken besteht zudem eine Gefahr ganz praktischer Natur: Libyen hat nach wie vor die Hoheit über die Domain. Wenn Libyen es (aus welchem Grund auch immer) möchte, kann es dem Anbieter die URL bit.ly morgen wieder wegnehmen. Millionen toter Links wären die Folge. Wie ernstzunehmend ist diese Gefahr?

So sieht’s aus für uns Twitter-Nutzer: Twitter bringt die große weite Welt noch näher zusammen. Näher vielleicht, als uns lieb ist. Da stehen die Wohlstandtweets der Marke “Geh’ jetzt Brötchen holen, kann aber die Bäckersfrau nich’ leiden.”, direkt vor den URL-Shortenern lybischer Abstammung, und deren Cyber-Guerilla hackt im Zweifelsfall das Lieblingsspielzeug des digitalen Lifestyle.

Haben wir Bedenken? Ich meine jetzt nicht Bedenken technischer Art. Denkt jemand darüber nach, wie politisch unser tagtägliches digitales Treiben überhaupt ist? Die passende und viel wichtigere Frage in dem Artikel, als die oben gestellte, ist doch:

Vielmehr steht das Problem im Raum, dass durch die millionenfache Nutzung libysche URLs „salonfähig“ gemacht werden. Ist das moralisch vertretbar? Kann man das zweifelhafte außenpolitische Gebaren und die vielen menschenrechtlich bedenklichen Vorfälle einfach missachten, nur um eine kurze URL zu erhalten? Sollte man diese Endungen nicht besser boykottieren, anstatt sie millionenfach zu publizieren?

Sind wir hier zu opportunistisch? Können wir hier den Nutzen und die Sinnfälligkeit von der Politik und der Moral abkoppeln? Steht der Inhalt und Zweck über den politischen Verflechtungen? Wenn dem so ist, warum gibt’es dann beim zweiten heutigen Twitter-Buzz so eine Entrüstung:

Robert Basic der ehemalige Betreiber von basicthinking.de, einem der meist frequentierten Blogs in Deutschland, gab bekannt, dass er seinen Twitter-Account “@RobGreen” zu versteigern will. Auch hier ging eine Welle durch’s Twitterversum. Neben den Klaqeuren gab es natürlich auch jede Menge Neider und Spassvögel, die rieten, man solle ihn einfach”entfollowen”. Eine Massnahme, die das Verkaufsobjekt auf der Stelle entwerten würde:

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Ausser der offensichtlichen Tatsache, dass Herr Basic da die Gesetzmäßigkeiten der digitalen Bohème und deren Twitterhorde mit einem Paukenschlag aufdeckt, muss einem aber beinahe zwangsläufig die Parallele zum ersten Twitterthema des Tages ins Auge fallen: Welches Verständnis haben die westlichen Twitternutzer von ihrem Spielzeug? Warum sollte man @robgreen “entfollowen”? Weil zukünftig eine andere Person oder Organisation hinter dem Account steht? Wieso? Man muss nur mal einen Blick auf den Twitter-Screenshot (oben) werfen. Da twittert “@johnny_cash”. Aha!? Soviel zu Identitäten in Twitter.

Es geht doch wohl um Inhalte. Ich folge einem Twitter-Account, weil da was verfasst wird, was mich interessiert. Fertig. Hier beisst sich die Anonymitätsschlange im Netz in den eigenen Hintern. Die Leute, die heute für Netzneutralität ins Felde ziehen und gegen Schäuble-Überwachung wettern, raten morgen “@robgreen”  aus dem Follower-Zirkel zu schmeissen, weil … ja, weil …

Weil er sich traut Twitter als das zu nutzen, was Legionen von Verlagen, Media-Leuten, Socialmedia-Leuten eigentlich selber gerne sofort machen würden: Geld in und mit Twitter verdienen! Das nenne ich mal eine echte Pharisäer-Steilkurve.

Die grosse Twitter-Masse ist eh’ doof, weil die Masse, auch eben digital, immer doof ist. Da wird  ”#unfollow” und “Flasmobunfollow” geschrieen, weil’s hip ist. Der Cyberwar von heute Morgen ist da schon wieder vergessen, und ob man über “.ly” und die Kapitalismusbrille mal nachdenken sollte … Schnee von gestern in der Wüste.

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