
Die Mauer ist weg. In der Realität schon zwanzig Jahre und in den Köpfen ist sie nur bei Gelegenheit noch existent. Der Jahrestag der Mauervaporisation wurde gebührend gefeiert, und das ist gut so. Es ist gut, weil wir uns an das Glück eine friedliche Revolution erlebt zu haben, erinnern müssen. Diese Mauer ist Geschichte.
Es gibt andere Mauern. Es gibt Mauern in dieser Gesellschaft, die gerade gebaut werden, oder die dicker und massiver gemacht werden. Es sind Mauern verschiedenster Arten:
Heute schnüffelt nicht mehr die Stasi. Heute schnüffelt der Konzern von nebenan die Konsumenten aus. Noch effektiver schnüffeln die Wirtschaftskraken sogar als der Staat, der die Anderen überwacht, die Nichtzahlungsfähigen , damit deren Zählbares nicht am Ende des Monats über den staatlich verordneten “Bedarf” geht. Den Staat betrügen, das geht nur im großen Stil.
Der Sozialismus versagte wegen zu einfacher Konzepte und der zu schwierigen Natur des Menschen. Der Kapitalismus hat da wesentlich feinere und kompliziertere Instrumente zur Hand. Enteignung – beispielsweise – erfolgte im Sozialismus plump und schnell. Das bekam jeder mit. Im Kapitalismus dauert das viel länger und der Weg dahin ist verworren. Er führt über Firmen, Börsen, Quartale, Gewinne, Pleiten, Rationalisierung, staatliche Hilfen, Subventionen, Steuern, das Ausland und das Arbeitsamt zu Hartz “xy”.
In den Chef-Etagen der Konzerne und der Administration sitzen auch nur diejenigen, die es über einen anderen Wall geschafft haben, den Bildungswall. Überwinden kann man ihn nur noch mit Geld.
Eine andere Mauer ist das Alter und die Gebrechlichkeit. Hat Dich das Leben über diesen Wall geworfen, dann bist Du ein Budget – ein kleines Budget. Du bist eine Dokumentation. Du bist Arbeitsmaterial in den Händen unterbezahlter Pflegekräfte.
Die Ost-West-Mauer ist kein Problem mehr. Wir müssen uns jetzt um andere Mauern kümmern.
Ich wollte eigentlich was über “Mauern” schreiben. Allerdings habe ich dann mitgekriegt, dass Herr Steinmeier im Bundestag nach der Regierungserklärung von Frau Merkel über Mauern sprach. Da ich diese Steinmeier’sche Rede aber in einen ähnlichen Hals, wie er hier gekriegt habe, schreibe ich jetzt nichts weiter über Mauern.
Ich schreibe statt dessen jetzt was über den Kapitalismus. Nicht, dass ich das nicht schon öfter getan hätte:
Die Menschen machen sich ihre Gedanken über den Kapitalismus: Weltweite Umfrage: Ungeregelter Kapitalismus, nein Danke!. In diesem Artikel kann man erfahren, dass nur ein Bruchteil der Menschen in kapitalistischen Ländern mit ihrem Wirtschaftssystem zufrieden sind. Von der Euphorie der Wende, bezüglich des Systemwettstreits ist doch sowieso nichts mehr vorhanden.
Was soll ich aber über den Kapitalismus sagen? Ich verstehe ja selber nicht alles. Börse, Fonds, Banken, Kredite, Wirtschaftskrise, alles das ist ein unendlich kompliziertes System. Gewollt!?
In jedem Fall muss jemand her, der mir dies erklären kann. Ich habe jemanden gefunden, und ich kann nur jedem empfehlen Herrn Prof. Dr. Dr. W. Berger ca. 90 min. Aufmerksamkeit zu schenken, denn er erklärt in diesem Video die Mechanismen des Kapitalismus, in dem wir heute leben, inkl. Bankenkrise und erschütternder Beispiele. Er erklärt, warum die Geldschöpfung Einiger zwingend mit Verschuldung Anderer einhergehen muss. Muss! Er erklärt, warum Geld wie Salzwasser ist.
Ich kann dieses Video nur jedem dringlich empfehlen! Viele Sätze von ihm hallen mir jetzt noch in den Ohren. Einer davon: “Es müssen Leute gefunden werden, die sich verschulden.”

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Also mich haben sie schon gefunden
11.11.2009 @ 23:08