Archives for Dezember 2008

Jahresend-Futab

Ich verabschiede mich für eine kurze Zeit. Falls möglich für *futab.
Wünsche einen angenehmen Jahreswechsel und einen guten Start in 2009.
*futab = feet up, take a break.

Entspannte Weihnacht 2009

2008 - Entspannte Weihnacht!

Wünsche allen Lesern ein entspanntes Fest und ruhige Gedanken. Schlicht: *futab!

*=Feet up, take a break.

jo

Tür #24


Philosophical Snowman
von Bazza bei pixdaus.com

jo$ signTür #24

Mit diesen 24 Türen in jo$ blog-o-matic habe ich versucht, das zu tun, was ich in Tür #1 vorweg schickte: Die Adventszeit einmal als das zu nehmen, was sie mal war: eine Fastenzeit. Eine Zeit, in der der materielle Konsum zurückgeschraubt wird und die Kräfte auf den Erwerb geistiger Güter und die Fokussierung auf das eigene ethische Streben gelenkt werden.

Tür für Tür hat sich dann etwas entwickelt, was vorher nicht so abzusehen war und im Rückblick doch einen sinnvollen Weg ergibt.

Für mich haben sich weitere Perspektiven ergeben und vielleicht hat der eine oder andere Mitleser hier auch Denkanstösse erhalten.

Ganz besonders habe ich mich über Tür #23 gefreut, die durch einen freundlicherweise zur Verfügung gestellten Gastbeitrag von Kreuznacher besonders hell erstrahlte.

Natürlich sind manche Dinge in den Türen etwas grob und holzschnittartig dargestellt und bedürfen eigentlich wesentlich detaillierter Betrachtung oder genauerer Analyse, aber das führt mich doch direkt zum Kern, und zur finalen Erkenntnis in diesem virtuellen Kalender. Sie ist, was sie ist: Eine Frage.

Was ist das wichtigste Zeichen auf unserer Tastatur?

Das Fragezeichen.

Tür #23


Bezeichnungen: religion peace christianity islam alien
via tinypic.com

jo$ signTür #23

Vorbemerkung: Die Tür #23 besteht aus einem Gastbeitrag eines Stammgasts in jo$ C@fé: Kreuznacher

----—-

Vor 3,5 Milliarden Jahren entwickelte sich das Leben auf der Erde, doch “erst” vor sechs Millionen Jahren begann ganz allmählich die Entwicklung des Menschen.

Würde man die gesamte Erdgeschichte in ein einziges Jahre pressen, dann würde der Mensch erst am letzten Tag (Silvester) um die Mittagszeit als neue Art auftauchen und die 2000 – 3000 Jahre, in denen die aktuellen Religionen entstanden sind, wären gerade mal die letzten 20 Sekunden vor Mitternacht.

Während unserer Entwicklung als Art halfen uns vorrangig die Instinkte des Urmenschen zu überleben und der Urmensch steckt trotz allen vermeintlichen Fortschritts immer noch in uns – eigentlich sind wir verkleidete Affen.
Wie anders sind Kriege zu erklären, Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit, Morde, Vergewaltigungen, Job-Mobbing….

Eigentlich sollte der heutige, moderne Mensch doch die Voraussetzung besitzen, mittels Kommunikation und Vernunft all diese Dinge zu vermeiden – es sieht aber nicht danach aus!

Wenn der Einzelne nicht lernt, die genetische Steuerung mit seinem Bewusstsein unter Kontrolle zu halten, wie kann es dann die Menschheit ?

Der Mensch kommt auf die Welt .

Nur die pure Existenz kann bei objektiver Betrachtung als gesichert gelten – weder ein Vorhersein noch ein Nachhersein haben ihren Platz im Leben. Das Leben beginnt mit der Geburt, das individuelle Leben beginnt mit der Erkenntnis des Seins, des “Ich bin”, es dauert eine Zeit und es endet. Im Laufe des Lebens wächst der Mensch als Individuum in bestehende Strukturen hinein und sein Bewusstsein entwickelt sich. Es entwickelt sich auch aufgrund der Rezeptoren, die dem Einzelnen zur Verfügung stehen.

Philosophie, Wissenschaften, Religionen – Erfahrungen der Ahnen, mit denen man sich auseinandersetzen kann und auch muss. Jeder für sich kann in seinem Leben die Stücke auswählen, die sein Wesen zusammensetzen. Das Bewusstsein sollte dabei dazu dienen, die bestehenden Strukturen zu hinterfragen, denn diese sind nachweislich von anderen Menschen gemacht.

Grundlegend gilt daher – der Einzelne muss nicht akzeptieren, dass die Welt so ist, wie er sie vorgefunden hat. Er kann versuchen “seine” Welt zu ändern. Und was beim Einzelnen im “Kleinen” beginnt, zeigt Auswirkung, wenn viele andere es auch versuchen.

Das Eden könnte damit erschaffen werden – hier und heute!

Vielleicht ist das die Grundaussage von Religionen – eine bessere Welt im hier und jetzt zu erschaffen und sich somit die Erde untertan zu machen.
Aber was haben wir Affen daraus gemacht?

In Kriegen stehen auf jeder Seite die Geistlichen um ihre Soldaten zu segnen!
Wo ist die übergreifende Erkenntnis, dass wir alle Menschen sind, ob schwarz, ob weiß, ob Mann, ob Frau, ob groß, ob klein, ob Christ oder Muslim?

Diese Erkenntnis zu verinnerlichen, wäre der erste Schritt, der erste kleine gemeinsame Nenner.

Aber leider sind wir von dieser Erkenntnis momentan noch weit entfernt und wenn wir uns schon hier auf diesem kleinen Sandkorn in den Weiten des Universums nicht gemeinsam als Kinder der Erde betrachten, dann graut es einem vor der Möglichkeit einer extraterrestrischen Kontaktaufnahme – Kinder des Universums???

----—-

geschrieben von Kreuznacher

Tür #22


Etiopia by Witold
von pirizoe bei pixdaus.com

jo$ signTür #22

Eine praktische Ethik für die ganze Welt – ist so etwas möglich?

In unserer Zeit haben wir direkt hier bei uns in Deutschland eine friedliche Revolution erlebt. Es wurde Gewaltfreiheit praktiziert, Demokratie gelebt und Frieden und Freiheit nicht als bloße Phrasen deklamiert.

Bürgerrechtler taten, was schon Martin Luther King und Ghandi taten. Menschen unterschiedlicher Glaubensherkunft gingen auf dem Weg, den Menschen wie MLK und Ghandi vorbereitet hatten und erreichten ein Ziel. Das zeigt doch, dass es Entwicklung gibt.

Es gibt praktizierte Ethik, die Wahrheiten schafft.

Müsste es dann nicht auch möglich sein eine solche praktikable Ethik auf Ökologie, Ernährung der Welt und die Weltreligionen auszuweiten.

Nach Ansicht der UNO kann die Erde ungefähr 12 Millionen Menschen ernähren. Es verhungern aber von heute etwas mehr als 6 Milliarden Menschen, mindestens 25000 – täglich.

Es gibt keine wahrhaftige globale Zusammenarbeit und noch keine globale Ethik, auch wenn die Menschenrechte und die Würde des Einzelnen niedergeschrieben stehen.

Wir praktizieren heute immer noch keine vernünftige Politik, die sich global mit Fragen des Daseins beschäftigt. Sie beschäftigt sich noch viel zu sehr nur mit Glaubensgräben und Fragen des lokalen Machterhalts.

Die Weltreligionen führen immer noch keinen wahrhaften Dialog miteinander, weil Glaubensinhalte immer noch absolut gestellt werden.

Die globale Wirtschaft wird durch vorgenannte Gründe nicht hinreichend gelenkt, damit sie langfristig ökologisch und sozial erwünschte Ergebnisse im Sinne der gesamten Menschheit produziert.

Die friedliche Revolution von 1989 sollte uns lehren, dass sich der Einzelne auf den Weg machen muss, eine praktikable Ethik zu suchen und zu leben.

Ist hier die Rede von einer Utopie? Ja.

Es ist die Rede von einer Ethik der Welt, einem kleinsten gemeinsamen religiösen, philosophischen und politischen Nenner, von einer erzieherisch vermittelten, täglich gelebten, weltweit praktizierten Ethik. Egal, von woher man kommt.

Eine Ethik für die Welt – kann es so etwas irgendwann geben?

Tür #21


Loving Fingers~~Photographer:~~Antoine Jousse von lilly bei pixdaus.com

jo$ signTür #21

Besteht zwischen Glaube und Vernunft ein Widerspruch? Ist ein Dialog darum gar nicht möglich, weil es nur ein “entweder oder” gibt?

Könnte es möglich sein, dass die Philosophie hier vermittelnd eingreifen kann, und den scheinbaren Widerspruch auflösen kann, wenn sie nicht als Wissenschaft, sondern als Haltung, als “Kultur der Frage” genutzt wird?

Beschreitet der Mensch seinen Glauben auf einem philosophischen Pfad, dann stellt er Fragen und stellt Dinge in Frage. Das ändert nun aber die Haltung gegenüber den Absolutismen und Dogmen seiner Glaubensgemeinschaft oder seines persönlichen eigenen Glaubens: auch sie werden in Frage gestellt und verlieren dadurch ihr absolutes Wesen. Trotzdem entnimmt er weiterhin seinem Glauben praktische ethische Erkenntnisse für das tägliche Leben und handelt ihnen entsprechend.

Diese Erkenntnisse orientieren sich nun aber, da er nicht mehr an Absolutismen gebunden ist, leicht an der Einsicht so zu handeln, dass seine Handlungen allgemein verträglich für die gemeinsame Existenz aller Menschen auf dieser Erde sind. Im Zeitalter des globalen Miteinander unabdingbar für eine gemeinsame prosperierende, sinnerfüllte Existenz der menschlichen Art. Eine vernünftige allgemein akzeptierte Erkenntnis, ein kleinster gemeinsamer Nenner im oben angeführten Sinne.

Nicht der dogmatische Inhalt seines Glaubens ist dann der Mittelpunkt seiner, des Menschen, Existenz, sondern sein Handeln aus der allgemeinen vernünftigen und mit seinem Glauben zu vereinbarenden Erkenntnis.

Es wäre dann zum Beispiel nicht die entscheidende Frage, ob Gott existiert oder nicht, sondern ob man in einem Gedanken an ihn Trost und Schutz finden will, wenn man will. Wahrheit ist dann keine unveränderliche Doktrin, sondern ein Wert durch gelebte allgemein wirkende Inhalte.

So ist, anders gesprochen, nicht ummauerte Erkenntnis, sondern die Freiheit der Einsicht und die Sicherheit praktisch anwendbarer ethischer Erkenntnis die Vernunft im Glauben und die Voraussetzung von Dialog, auch, und das ist wohl am wichtigsten: Dialog zwischen Religionen.

Ohne den Dialog derer, die bisher Dogmen formulierten, wird es keinen globalen Frieden geben.

Tür #20


Big Mac – Advertisement vs. Reality von ocicat bei pixdaus.com

jo$ signTür #20

Je komplexer und komplizierter ein System ist, desto mehr bedarf es der kritischen Analyse, der Koordination und der Integration aller, die sich in diesem System befinden.

Der Einzelne fühlt sich solchen Herausforderungen gegenüber oft hilflos, orientierungslos und schwach. Er sucht in der Folge nach Wahrheiten, Lösungen und festen Standpunkten.

Mystizismus und Religionen boten den Menschen seit Jahrtausenden Orientierung und feste Standpunkte. Allerdings in einer Welt, die immer lokal begrenzt war. Weder Wirtschaft, noch Politik erlegten Fragen von globalem Maßstab auf. Das Wohlergehen des Einzelnen konnten Stammesfürst und Medizinmann (oder Schamane), konnten König und Bischof nach ihrem Gutdünken und ihrer jeweilige Interpretation von Gottes Willen regeln.

Da der Mensch als Art aber strebt, forscht, expandiert und erschafft, wurde dieses Korsett im Laufe der Geschichte zu eng. Die Wissenschaft schuf per Erkenntnis, die von Staaten und Wirtschaft in Realität umgesetzt wurde, eine neue Welt (siehe Tür #15 – 19), die die Menschen rund um den Globus enger zusammenführte und damit auch ihre unterschiedlichen Kulturen, Ansichten und Lebensweisen.

Doch nicht nur das Korsett und die ausgetretenen Pfade der Religionen wurde vielen Menschen zu eng, sondern auch Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Politik verursachen heftige gedankliche Turbulenzen:

Die Wissenschaft, die in weiten Teilen abhängig am Tropf der Wirtschaft hängt, wird auch nur Ergebnisse produzieren, die ihren Geldgebern genehm oder nützlich sind. Sie ist aber auf keinen Fall frei und kreativ oder in der Lage, das wahrhaft “Undenkbare” zu denken.

Die Politik hadert beständig mit objektiven Wahrheiten. Ihr Wesen ist die Macht und deren Erhalt. Sie muss populär sein, um verstanden zu werden, in einer Zeit, in der Menschen das Prinzip “Ich habe keine Zeit.” leben. Sie muss Mehrheiten suchen, wo das Populäre schnell Mehrheiten bildet. Sie soll langfristig denken und wirken, was sie aber dann häufig nicht mehr kann, weil sie damit eben damit beschäftigt ist kurzfristig populäre Mehrheiten zu suchen.

Die Wahrheit der Wirtschaft heisst Gewinn und heute spezieller “Gewinnmaximierung”. Auch das ist ein Frage von Macht, von Marktmacht. Sie wird genutzt um Bedarf gegen Geld zu decken. Paradoxerweise oft Bedarf, der vorher erst geweckt wurde. Wir haben einen Handel kultiviert, der mittlerweile teilweise abgelöst von realen Produkten und realer Arbeit nur noch Handel um des Handels Willen ist.

Das Geschäft der Medien ist die Information. Doch die Information muss nicht unbedingt Wahrheit sein, sie muss sich nur verkaufen lassen. Verkaufen lässt sich aber nur Information, die unterhält. Für die Wahrheit schafft das die hohe Hürde, dass sie auch in irgendeiner Form unterhaltsam sein muss, denn sonst hat sie in diesem System keine Chance.

Über all diesen Feldern schwebt, und all diese Bereiche durchdringt heute die faktisch existierende Weltordnung des Kapitalismus, die allem obendrein den Stempel der Käuflichkeit aufdrückt und die alle diese Elemente miteinander verwebt.

Alles in allem also ein wirklich ziemlich kompliziertes System, bei dem sich der Gedanke aufdrängt, dass das Wahre, das Nachhaltige (leider ein mittlerweile abgedroschenes Wort), das Wertige nur schwerlich noch zu entdecken ist.

Zurück zum Anfang: Der einzelne Mensch fühlt sich ohnmächtig im Angesicht dieser Mechanismen und der unglaublich tiefgreifenden Vernetztheit der heutigen Herausforderungen. Was kann der Weg aus der Falle der selbst erschaffenen Scheinwahrheiten und unbefriedigenden Realitäten sein?

Könnte es sein, dass es über Dialog und Vernunft möglich ist?

Könnte es die …

  • Vernunft sein, den Dialog unter Menschen zu suchen, die nach unterschiedlichen Lebensentwürfen in philosophischer und religiöser Hinsicht leben? Könnte es dann der Dialog zwischen den Weltreligionen werden, der auf den gemeinsamen Nennern aufbaut und bereit ist Dogmen aufzulösen?
  • Vernunft sein, die eigenen Meinungen, Ansichten und Urteile im Dialog auf den Prüfstand zu stellen? Könnte man einfach mal davon auszugehen, dass die eigene Sicht der Dinge nur eine unvollständige ist?
  • Vernunft sein, das Unerwartete als Möglichkeit in Betracht zu ziehen? Oder aber dort Bewegung zu erwarten, wo scheinbar keine Bewegung möglich ist? Kann es möglich sein, das Utopische trotzdem als Ziel zu formulieren und anzugehen?
  • Vernunft sein, das eigene Sein über das Haben zu stellen? Oder aber anders gesagt, die eigenen materiellen und immateriellen Werte neu zu ordnen?

Könnte es im Prinzip so simpel (nicht einfach!) sein, das unglaublich komplizierte Geflecht unserer globalisierten Existenz neu zu gestalten?

Hausmeister-Hinweis

Hausmeister-Hinweis